SCHMERZMITTELABUSUS
Abusus mit Schmerzmittel
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Was ist ein Abusus ?
Als Abusus bezeichnet man eine medizinisch unbegründete oder in unnötig hoher Dosis erfolgende Einnahme von Arzneimitteln.
Nicht einmal allen Ärzten ist bekannt, daß ein längerfristiger Schmerzmittelabusus zu einem Kopfschmerz führen kann, den sog. Schmerzmittelkopfschmerzen. Die sog. kritische kumulative Wochendosis (= Menge die sich in einer Woche anhäuft), bei deren Überschreiten die Ausbildung eines durch Medikamente hervorgerufene Kopfschmerzen drohen, beträgt für Koffein 340 mg, Barbiturate 210 mg, Paracetamol 1875 mg, Pyrazolonderivate 1025 mg, Codein 60 mg und für ASS (= bekannt als Aspirin) 1750 mg (Diener 1993).
Auch schätzt man, daß 5-10% aller chronischen Nierenerkrankungen auf einen Schmerzmittelabusus zurückzuführen sind.
Ein Schmerzmittelabusus erfordert deshalb eine konsequente En tzugsbehandlung.
En tzugsbehandlungen in Form einer ausschleichenden Dosisreduzierung erfolgen bei potentiell suchterzeugenden Substanzen (z.B. Tramadol, Tilidin, Morphin, Buprenorphin, Pentazocin), aber auch bei Verwendung von Mischpräparaten, bei denen eine Komponente entsprechend einzustufen ist (z.B. Codein).
Wenn ein Schmerzmittelabusus tatsächlich auf ein chronifiziertes Schmerzsyndrom (= Schmerzkrankheiten) und nicht etwa auf ein eigendynamisches Suchtpotential zurückzuführen ist und die verwendeten Schmerzmittel potentiell nicht suchterzeugend sind (z.B. ASS, Paracetamol, nichtsteroidale Antirheumatika, Metamizol, auch Ergotam in), besteht die En tzugsbehandlung in sofortigem Absetzen des Schmerzmittel s (Schmerzmittelentzug).
Da mit einer En tzugsbehandlung ja die Schmerzquelle, wegen der der Schmerzmittelabusus überhaupt zustande kam, nicht ausgeschaltet wird, muß die Schmerztherapie mit anderen Mitteln fortgesetzt werden, denn es macht ja wenig Sinn, in dieser Situation wieder auf (andere) Schmerzmittel zurückzugreifen.
Als
Alternative im Rahmen von
En tzugsbehandlungen eignet sich
bei einem Abusus mit Schmerzmittel
in besonderem Maße die wiederholte, in der Entzugsphase 2 bis 3 mal
tägliche Verabreichung eines langwirkenden
Lokalanästhetikum
s (z.B.
Bupivacain)
(= örtliches Betäubungsmittel)
in Form der
therapeutischen
Lokalanästhesie
(Infiltrationen bzw. Betäubung
des
Schmerzbereichs, Nervenblockade
n und Leitungsblockaden, rückenmarknahe oder
Sympathikusblockaden).
Parallel zum Entzug verordnen wir zur Abschirmung
möglicherweise auftretender vegetativer Entzugserscheinungen (z.B. innere
Unruhe, Zittrigkeit, Schwitzen) bei einem vorangegangenen
Abusus mit Schmerzmittel
Trimipramin
(Stangyl®), initial i.v.
(= in die Blutader).
Folgendes Dosierungsschema hat sich bei einem
Schmerzmittelabusus bewährt: Basismedikation 100mg/d abends oral
(= Tropfen, Tabletten);
zusätzlich als Infusion (z.B. in 500ml NaCl 0,9%) am ersten Tag 25mg, am zweiten
Tag 50mg, am dritten Tag 75mg, am vierten Tag 50mg und am fünften Tag wieder
25mg.
Nicht selten besteht gleichzeitig auch ein Benzodiazepin
abusus
(= Beruhigungsmittel
abusus).
Auch diese potentiell suchterzeugende Substanz wird langsam ausschleichend
abgesetzt. Eine diesbezügliche Entzugssymptomatik kann mit Carbamazepin
(= Mittel eigentlich gegen die Fallsucht, aber auch bei
einer
En tzugsbehandlung hilfreich) oder
Valproinsäure behandelt werden (Apelt et al. 1992).
Die En tzugsbehandlung bei einem Abusus mit Schmerzmittel erfordert, wie oben dargestellt, intensive ärztliche Interventionen, was in der Regel nur im Rahmen einer stationären Behandlung (Schmerzklinik) durchführbar ist.
Auch ist es sehr wichtig, eine En tzugsbehandlung wegen Schmerzmittelabusus psychologisch/ psychotherapeutisch zu flankieren, um eine nachhaltige Stabilisierung zu erreichen.
Aktualisiert:k 03.12.05
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